Die Schutzmantelmadonna auf dem Kirchberg

Schutzmantelmadonna Detailbild
Schutzmantelmadonna

Wenn Spaziergänger ihren Weg auf den Dormitzer Kirchberg nehmen, so halten sie meistens eine kleine Rast an der Madonnenstatue. Die Bänke und die herrliche Aussicht laden ein zu beschaulichem Verweilen. Die Schutzmantelmadonna, wie sie genannt wird, thront auf einem ausladenden Fundament aus Jurakalkstein. Sie breitet ihren Mantel weit aus, als wolle sie alle Menschen unter ihren Schutz nehmen. Man erkennt in ihrem Mantel eingemeißelt die Dormitzer Kirche, einen Hausgiebel und Menschen, die sich unter ihren Schutz begeben. Man fragt sich, was der Anlass zum Aufstellen dieser Schutzmantelmadonna gewesen sein mag.

Am 15. April 1945 wollten die Amerikaner die Ortschaft Dormitz unter Beschuss nehmen. Sie standen an der Honingser Höhe und hatten ihr Ziel vor Augen. Jedoch traf eine Salve hinter den Häusern am Bahnhof auf und eine Salve vor dem Ort. So hatte Dormitz keinen Schaden erlitten. An der Stelle auf dem Dormitzer Kirchberg, wo heute die Schutzmantelmadonna steht, hatte 1945 der erste amerikanische Panzer gestanden und wollte Dormitz unter Beschuss nehmen, falls die Bewohner Widerstand zeigten. Zum Glück wurde die Ortschaft freiwillig geräumt.

Man kann sich denken, wie viele Einwohner damals ihre Gebete zur Gottesmutter schickten und um Rettung flehten. Ihr Flehen wurde erhört und als äußeres Zeichen stellte man an der denkwürdigen Stelle die Schutzmantelmadonna auf.

Am 15. April 1956, elf Jahre nach dem schicksalhaften Tag, feierte die Gemeinde Dormitz ihr Patronatsfest, das Fest "Unserer lieben Frau". Dies war Anlass, bei dem die Schutzmantelmadonna auf dem Dormitzer Kirchberg eingeweiht wurde. Man zog nach dem Gottesdienst in feierlicher Prozession zum Kirchberg; an der Spitze gingen die Ministranten, dann folgten die Schüler, die Jugendgruppen und die Männer mit den Vereinsfahnen. Hinter der Musik ging die Geistlichkeit, anschließend Bürgermeister Holzmann und die Gemeinderäte, dann folgten die Schülerinnen, die Mädchen und die Frauen. Die Weihe nahm im Auftrag des Erzbischofs von Bamberg der damalige Dekan Neundörfer vor, assistiert von Pfarrer Hildenbrand und Vikar Rudorfer. Aus der Umgebung nahmen viele Gläubige teil. Bei der Feier sang der Kirchenchor unter der Leitung von Hauptlehrer Bauer. Pfarrer Hildenbrand dankte in seiner Ansprache allen, die an der Errichtung der Marienstatue mitgeholfen hatten: der Familie Rehm für die Überlassung des Grundes, dem Bildhauer Träg aus Erlangen für die Gestaltung der Figur, dem Architekten Peukert für den Entwurf zum Sockel und dem Maurermeister Schmittlein aus Honings für die Errichtung. Auch dankte er den Amerikanern aus Erlangen, die mit der Bereitstellung eines Kranwagens mitgeholfen hatten, die schwere Figur auf den Sockel zu heben.

 Die Jahreszahl 1945 sollte neben fünf anderen Jahreszahlen später auf einer Gedenktafel zu lesen sein, die in der Nische am Sockel angebracht werden sollte. Die erste Zahl sollte 1416 sein. Aus diesem Jahr stammt die erste Kunde von der Dormitzer Kirche, die damals schon den Namen zu "Unserer lieben Frau" getragen hat. Die Jahreszahl 1644 sollte an die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erinnern. Damals wurde das schwerbeschädigte Gotteshaus durch die opferbereite Bevölkerung wieder aufgebaut. Die dritte Zahl 1923 sollte das Jahr nennen, in dem der erste Seelsorger nach Dormitz kam, nachdem der Ort durch Jahrhunderte zur Pfarrei Neunkirchen gehörte und auch von dort betreut wurde. Ein wichtiges Ereignis sollte die Jahreszahl 1938 nennen. Damals wurde anlässlich des silbernen Priesterjubiläums von Erzbischof Jacobus Hauck Dormitz zu eine selbständigen Pfarrei erhoben. Seit diesem Jahr gehören auch Kleinsendelbach und Steinbach zur Pfarrei. Nach der Jahreszahl 1945 sollte noch das Jahr 1955/56 als letzte Zahl auf der Tafel vermerkt sein [...].

Von nun an sollte in Stein gemeißelt sichtbar sein, dass Maria die besondere Schutzfrau des Gotteshauses und der ganzen Pfarrei Dormitz ist.

Elisabeth Roth