Ortsgeschichte

An dieser Stelle möchten wir wichtige Stationen und Ereignisse unserer Dorfgeschichte aufzeigen.

Wichtige Eckdaten

Seinen ersten urkundlichen Hinweis verdankt Dormitz einem gewissen Siegfried, der sich nach dem Dorf benannte. In zwei Urkunden des Bamberger Bischofs Egilbert, die auf 1142 bzw. 1146 datiert werden, findet man ihn in der Reihe der Zeugen. Er wird darin als «Sigefridus de dorenbenze» bzw. «Sigefrid de dornbenze» bezeichnet. Von der neuesten Ortsnamenforschung wird die Erklärung «dornbenz = Dornenwiese» oder «Dornengau» wieder in Frage gestellt, eventuell geht der Ortsname auf einen slawischen Personennamen zurück.

Dormitz entstand links und rechts des Brandbaches, der das Dorf noch heute in Klein und Großdormitz teilt. Für die politische Situation des Dorfes war seine Grenzlage seit jeher bestimmend. Die Schwabach, die südlich am Ort vorbeifließt, bildete die alte Grenze zwischen Würzburger und Eichstätter Bistumsgebiet. Nachdem Kaiser Heinrich ll. 1007 das Bistum Bamberg gegründet hatte, blieb sie Grenzfluss zwischen Bamberg und Eichstätt.

Drei Kräfte nahmen über die Jahrhunderte hinweg Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung von Dormitz: die Reichsstadt Nürnberg, die Bischöfe von Bamberg und die Hohenzollern als Burggrafen von Nürnberg, seit 1417 als Markgrafen von Brandenburg. Ihr Konkurrenzkampf um landesherrliche Rechte in dem Grenzdorf prägte Dormitz und seine Bewohner. Im Bereich der Grundherrschaft sah es nicht einfacher aus. Unter anderem hatte das Waldamt Sebaldi grundherrliche Rechte in Dormitz, was besondere Bedeutung für den Ort erlangte.

Die Stadt Nürnberg hatte dieses Amt eingerichtet, um den Sebalder Reichswald zu verwalten. Durch feuerpolizeiliche Bestimmungen war festgelegt, dass Dormitz nicht über 55 Anwesen hinauswachsen durfte. Die alten Güter des Dorfes besaßen Waldrechte. Dies bedeutete, die Besitzer der Anwesen durften nach Absprache mit dem Waldamt Holz zum Bauen und Heizen entnehmen. Bis in die heutige Zeit gibt es in Dormitz diese Waldrechte, und zwar das nürnbergische und das brandenburgische. Denn als der Markgraf von Brandenburg seine Rechte am Reichswald 1427 an die Stadt Nürnberg verkaufte, behielt er sich für seine Untertanen in Dormitz gewisse Rechte vor. So wird noch heute, nach über 500 Jahren, das Rechtholz der ehemaligen markgräflichen Anwesen in Klafter bemessen, das der nürnbergischen dagegen in Mäß.

Die Lage von Dormitz im Schnittpunkt der Interessen von Bamberg, Nürnberg und den Markgrafen sorgte auch in den politischen und religiösen Wirren des frühen 16. Jahrhunderts für Zündstoff. An Bauernaufständen beteiligten sich auch markgräfliche Untertanen von Dormitz. Auch in der Reformationszeit gab es im Ort so manche Spannungen. Der Rat der Reichsstadt Nürnberg, der den Übertritt seiner Bewohner zur lutherischen Lehre angeordnet hatte, versuchte auch, seine Untertanen in Dormitz zum neuen Glauben zu führen. So stellte man einen lutherischen Prediger in Dormitz auf, der nach energischem Vorgehen des Neunkirchener Amtmannes 1561 diese Stelle wieder räumen musste. Um 1580 fielen erneut 22 Einwohner vom alten Glauben ab. Auf Grund eines fürstbischöflichen Befehls aus Bamberg kehrten bis auf einen alle wieder zum katholischen Glauben zurück. Ähnliches wiederholte sich 1630 in der Zeit der Gegenreformation.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde die Ortschaft mehrfach geplündert und niedergebrannt. Die meisten Einwohner kamen in den Kriegsjahren um, entweder direkt durch Gewalt, oder durch Hunger, Krankheit und Seuchen. 1632 war das Dorf vollständig ausgebrannt, keine Menschenseele befand sich mehr im Ort. Die Folgen dieser Ereignisse waren noch nach 100 Jahren im Ort zu spüren.

Am Wiederaufbau des Dorfes [nach dem Dreißigjährigen Krieg] waren auch Juden beteiligt, die nachweislich seit 1603 in Dormitz ansässig waren. Im 18. Jahrhundert ließen sich immer mehr Menschen jüdischen Glaubens in der Ortschaft nieder. Im Jahr 1824, als 110 Juden in Dormitz lebten, stellten sie bei insgesamt 475 Einwohnern fast ein Viertel der Bevölkerung. [...]. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Juden aus, ein Großteil nach Nordamerika. 1915 wurde die Kultusgemeinde aufgelöst.

Der Wunsch nach einer eigenen Pfarrei ging für die Dormitzer Bürger erst 1937 in Erfüllung, ob wohl der Ort schon seit ca. 1400 über ein eigenes Gotteshaus verfügte. Diese Kirche hieß von Anfang an «Zu unserer lieben Frau». Das Patronatsfest ist an Maria Verkündigung, dem 25. März. Das Kirchweihfest findet am 2. Sonntag nach Jakobi statt, das ist immer der erste Sonntag im August. Die Kirche war von Beginn an von einer Wehrmauer umgeben, diese Wehranlage wurde im 19. Jahrhundert fast vollständig eingerissen. Die gotische Kirche hat ihr Erscheinungsbild im Lauf der Zeit leicht verändert und wurde im Innern barockisiert. Dennoch sind gotische Kunstwerke erhalten geblieben von bedeutenden Künstlern wie Veit Stoß und Tilman Riemenschneider.

Ab 1806, als Bayern von Napoleons Gnaden zum Königreich erhoben wurde, fielen jahrhundertealte Beschränkungen weg, die ein Anwachsen des Dorfes verhindert hatten. Schon 1840 zählte man 501 Einwohner, im Jahr 1900 gab es in Dormitz 87 Hausnummern und insgesamt 103 Wohngebäude. Nach dem 2. Weltkrieg, in dem Dormitz 31 Gefallene und 18 Vermißte zu beklagen hatte, ging es mit der Entwicklung der Ortschaft steil bergauf. Die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft an, denn viele Vertriebene und Flüchtlinge, vor allem aus dem Sudetenland und aus Schlesien, fanden in Dormitz eine neue Heimat.

1961 registrierte man den 1000. Einwohner. In maßvoller Weise wurden neue Baugebiete ausgewiesen, so daß heute ein vernünftiges Ver hältnis von altem Ortskern zu Neubaugebieten besteht. Zur Zeit leben in der Gemeinde rund 2000 Einwohner. Seit 1980 ist in Dormitz der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft mit den Mitgliedsgemeinden Dormitz, Hetzles und Kleinsendelbach.

Das Dorf war bis ins 20. Jahrhundert von der Landwirtschaft geprägt. Einige Einwohner übten aber auch handwerkliche Berufe aus. So gab es Zimmerleute, Metzger, Bäcker und Schmiede. Aber auch hier war der Einfluss der verschiedenen Landesherren zu spüren. Den bambergischen Untertanen des Klosters Neunkirchen war es aus Konkurrenzgründen zu den Marktbewohnern Neunkirchens untersagt, Gewerbe zu treiben. Die alten Brau und Gastwirtschaften befanden sich deshalb auf markgräflichen Anwesen.

Dormitz stand 1992 ganz im Zeichen der 850-Jahr-Feier, und dabei übte man sich noch in Bescheidenheit. Der Ort ist nämlich nicht nur acht und ein halbes Jahrhundert alt. Das Jubiläum bezog sich auf die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Mitte des 12. Jahrhunderts, doch zu dieser Zeit bestand die Ortschaft wohl schon etwa 50 Jahre lang.

Martin Rehm